Auszüge aus

Kriegsalltag einer Stadt -
Mülheim an der Ruhr

erschienen in den Jahrbüchern, Mülheim an der Ruhr, 2004 und 2005

von Elmar Wiedeking

 

Es sah nur noch aus wie im Frieden. Am Stallmannshof 1. Mai 1939. Foto E. Wiedeking

Diese Arbeit ist Frauen, Männern und Kindern aus meiner Heimatstadt Mülheim-Ruhr, aus den Nachbarstädten und allen Soldaten, auch denen der damaligen Kriegsgegner gewidmet. Durch die Kriegsereignisse sind sie alle miteinander verbunden. Ihre Lebensgeschichten gehören zusammen.

Krieg ist unvorstellbar grausam. Er trennt alle Betroffenen und Beteiligten von einem würdigen, selbstbestimmten Leben, vielen bringt er den Tod. Sorge und Trauer um geliebte Menschen prägen die Lebenswege der Hinterbliebenen. Kriegsfolgen treffen alle Beteiligten und Unbeteiligten einer militärischen Auseinandersetzung. Leid und Trauer sind überall gleich und kennen keine nationalen Grenzen.

 

Eine Diskussion über die Opferrolle der Menschen in Deutschland ist sinnvoll, muss jedoch das ebenso große Leid der betroffenen Menschen anderer Länder anerkennen, denen Deutschland den Krieg gebracht hat. Über das Leiden unserer Kriegsopfer nachzudenken, macht den Blick frei, für das Leid der Opfer aus anderen Ländern.

Zum Glück gab es auch in den dunkelsten Tagen des Kriegsalltags ermutigende Zeichen von Menschlichkeit.

 

Es gab ihn, den Arzt, der den verletzten Luftwaffenhelfer im Dunkel des Röntgenraumes fragte: „Jung, willst'e noch mal raus." „Nein!" Der dann den Durchschuss des Schulterblattes zum Riesenloch werden ließ. Nicht kriegsverwendungsfähig, sein Befund.

Es gab ihn, den alten Mann, der dem toten englischen Soldaten in den Trümmern des Wellingtonbombers, der beim Haus Hammerstein abgestürzt war, über den Kopf strich und für viele vernehmbar sagte: „Auch um dich wird eine Mutter weinen."

 

Es gab sie, die Familie, die den abgeschossenen englischen Flieger vor dem Lynchmord bewahrte und große Schuld von denen abwendete, die fast zu Mördern geworden wären.

Es gab sie, die Frauen und Mütter, die in größter Not ihren Familien und Kindern Schutz und Geborgenheit gaben.

 

Es gab sie, die Hoffnung auf Frieden. In fast jedem Feldpostbrief stand sie. Soldaten schrieben über sie, die mit eigenen Augen sahen, wie wichtig und wertvoll Frieden, wie zerstörend Krieg ist.

„I will make it fly, ich schaffe es, sie wieder zum Fliegen zu bringen", sagte der sechsjährige Leslie Rooke, Sohn eines englischen Soldaten, 1946 in Mülheim stationiert, als er bei einem Besuch eine ausgestopfte Taube meines gefallenen Vaters in die Luft hob. Kinderfantasie oder Zukunftsvision, das Unmögliche möglich zu machen?

 

Gegner wurden zu Freunden. Unser neues Europa entstand, in dem Deutschland als gleichberechtigter Partner neben den anderen Ländern der Europäischen Union steht. Sie stabilisiert den Frieden für die Menschen in Europa. und damit den Frieden für die Menschen in der Welt.

Mit Verständnis für unsere Mitmenschen, auch wenn wir ihre Art zu leben nicht gleich verstehen, sollten wir beharrlich für die Erhaltung dieses Friedens arbeiten.

Elmar Wiedeking 2004

 

INHALT

  • Mutter war ja bei uns
  • Die Geschichte von Francis Max
  • Abgeschossen, getötet, gefangen
  • Eine Familie wurde ausgelöscht
  • Mord an kranken Menschen
  • 24. Dezember 1944, Angriff auf den Flughafen Essen- Mülheim
  • Gedanken
  • Dank

 

GEDANKEN
 

Kriegsalltag Ende 1944 in Mülheim, Kriegsalltag irgendwo in Deutschland. Wenn doch jemand wenigstens jetzt „Nein" gesagt hätte! Doch der, auf dessen Wort viele warteten, schwieg.

Deutschland war nach der verlorenen Ardennenoffensive politisch und militärisch am Ende. Sein Untergang war nicht aufzuhalten, weil dieser menschenverachtende Diktator Hitler am Werk war, der in einer Rede alle Verantwortung an diesem Krieg dem Volk zuwies und sagte:
"Wenn mein eigenes Volk an einer solchen Prüfung zerbrechen würde, kann ich darüber keine Träne weinen. Es hätte es nicht anders verdient. Es würde sein eigenes Schicksal sein, das es sich selbst zuzuschreiben hat".

 

Blanker Zynismus, im Angesicht der Opfer, der Soldaten und der Menschen in unserer Stadt.

Wenn ein Mann am Spieltisch eine so vollständige Niederlage erleidet wie er, steht er auf und geht. Doch Hitler ging nicht. Er entzog sich am Ende seiner Verantwortung.

Hitler wollte niemals erkennen, dass er das wesentliche Hindernis zur Beendigung des Krieges war. Den Menschen in unserem Land standen bis zur Kapitulation noch schwerere Zeiten bevor. Der große, umfassende Friede blieb den Menschen noch bis zum 8. Mai 1945 vorenthalten. Doch im Kleinen zeichnete er sich schon früher ab. Für Einzelne wurde er sogar wahr.

 

Nach meiner Verwundung am 18.1.1945 war ich aus dem Lazarett nach Duisburg überwiesen worden. Der Chirurg Dr. Bock in der Mainaustraße wurde am 29.1. von der Standortuntersuchungsstelle um fachärztliche Untersuchung gebeten. Bei dieser Untersuchung stellte Dr. Bock die entscheidende Frage: „Jung, willst'e wieder raus?" Für einen 16 jährigen Luftwaffenhelfer eine absolut unerwartete Frage.

Heute, für einen 75 Jährigen, ein Beispiel von gelebtem Mut, von Menschlichkeit und Humanität im Kriege. Karl Heinz Schauenburg 2004

 

Der Luftwaffenhelfer zeigte Mut, hatte Vertrauen zu seinem Arzt und sagte auf seine Frage einfach: „Nein".

 

 

DANK
 

Dank allen, die mitgeholfen haben dieses Stück Regionalgeschichte wieder erstehen zu lassen. August Weilandt, Philipp W. Heun, Egon Kunig, Jörn Stender, Marchetta Condipodaro, Walter Schernstein, Jürgen Schimanski, Jens Roepstorf, Emilie Peter, Karl Heinz Schauenburg, Roland und Betty Makenzie, Phillipa Nilson, Nesta Ward- McKenzie, Maureen Reynolds, Cordula Holtermann, Norbert Krüger, Kurt Schmitz, Anette Berlinghof- Gebauer, Hans Siepmann, Irmgard Riebeling, Horst Hense, Ursula. Brühl- Selzer, Walter Merzenich, Ursel Knippenberg, Volker Paul, Gisela Riedger, Else Boess, Ilse Berger, Hedwig Paul, Karl Stangenberg, Johann Kley, Hans- Peter Allekotte.

 

Dank an die Archive und Dienststellen, die mit Dokumenten und Informationen geholfen haben.

Nordrhein- Westfälisches Hauptstaatsarchiv, Stadtarchiv Mülheim, Archiv der Stadt Essen, Stadtarchiv Düsseldorf, Archiv der Royal Air Force London, Bundesarchiv Freiburg,

BBC Archives London, Bundesarchiv Berlin, Gedenkstätte Hadamar, Gedenkstätte Samariterstift Grafeneck, Gedenkstätte Pirna Sonnenstein, Gedenkstätte Bernburg, Gedenkstätte Schloß Hartheim, Commonwealth War Graves Commission, Friedhofsverwaltung Düsseldorf Nord, Standesamt Mülheim, Imperial War Museum London, Air Photo Library University of Keele, Bomber Command Association London, WASt. Deutsche Dienststelle Berlin, The Mayor of Tararua District Council New Zealand.

 

Copyright: Elmar Wiedeking

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Aktuelles Thema

Bournemouth / England

 and the Second World War

Silja Wiedeking 2004

https://www.spurensuche-wiedeking.de/bournemouth-england/ 

 

   Silja Maria Wiedeking
Writer - Journalist - Author 

www.silja-wiedeking.com 

Zum Vergrößern bitte auf die Fotos klicken.

Vor dem Vergessen bewahren

Foto ca. 1937 

Josef Märte

aus Sipplingen am Bodensee. 

Josef wurde am

18. 09. 1919 in Sipplingen geboren und wird seit dem

03. 08. 1044 in 

Stupia - Pacanow /Polen vermisst. 
Laut Meldung war Josef am 3. August 1944 bei der

2. Kompanie leichte Feldwerftabteilung (motorisiert) I/40 
An Josef wird noch heute auf dem Grabstein seiner Eltern und Schwester auf dem Friedhof in Sipplingen erinnert. 

Foto 2017 

Auf Spurensuche

 

Jüdischer Friedhof in Bad Buchau. Foto August 2016

Besuchen Sie bitte auch die Seite

http://www.judeninbuchau.de/ 

Der Durnbach War Cemetery und das Durnbach Cremation Memorial ist eine Kriegsgräberstätte der Commonworlth War Graves Commission, die in Gmund am Tegernsee im Ortsteil Dürnbach liegt. Foto Juli 2016

Diese beiden Fotos zeigen Wolfgang, Jürgen und Elmar bei der Spurensuche im Bereich der ehemaligen Nachtjagdstellung in Eppingen. Fotos März 2016

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