„Unter den Kreuzen und Steinen auf unseren Friedhöfen liegen Menschen, die es wert sind, dass über ihr Leben und Sterben nachgeforscht wird.“

 

 

Eine Spurensuche auf unseren Ortsfriedhöfen

In den ersten vier Monaten des Jahres 1945 ging die Welle des Krieges auch über Südwestdeutschland. Nach dem Gefühl vieler Menschen, die heute in diesem Lande leben, war außer einem „normalen Krieg“ nichts Besonderes vorgefallen, über das heute noch gesprochen werden müsste. Jedoch bei näherer Betrachtung dieses Krieges im Südwesten stellt man fest, dass dieses Gefühl trügt. Kriegsgräber sind fast überall zu finden. Allein im badischen Landesteil des Südweststaates ruhen heute etwa 11200 Tote aus den Bodenkämpfen am Oberrhein, Hochrhein, im Schwarzwald, im Allgäu und vom Bodenseeraum. Sie liegen verteilt auf 329 Gräberstellen in 145 Orten. Diese Ortsfriedhöfe sind offizielle Kriegsgräberstätten. Viele Gräber tragen ein Datum vom April und Mai 1945, aus der schrecklichen Endphase des Zweiten Weltkrieges. Diese Menschen verloren in großer Mehrheit bei sinnlosen Verteidigungsgefechten ihr Leben, als die französischen und amerikanischen Truppen das Land befreiten. Jedes einzelne Opfer der Kriege braucht ein ewiges Ruherecht auf einem Friedhof und das Recht auf seinen Namen. Sein Name ist letztlich das Einzige, das an sein Leben erinnert. Jedes Kriegsopfer braucht seine Persönlichkeit. Unter den Kreuzen und Steinen liegen Menschen, die es wert sind, dass über ihr Leben und Sterben nachgeforscht wird. Sie sind es wert, dass ihnen heute noch unsere Aufmerksamkeit geschenkt wird und ihre Namen genannt werden.

In dem Buch „Das Ende – Eine Spurensuche im Hegau, am Bodensee, in Vorarlberg“ sind die tragischen Ereignisse ausführlich beschrieben, die zum Tode jener Menschen geführt haben, deren Grabsteine hier bei den Fotos gezeigt werden.

Foto E. Wiedeking 2010

Hödingen am Bodensee
Das Grab eines etwa 18 jährigen unbekannten Soldaten, der von einem ebenso jungen SS-Mann erschossen worden ist. Der junge Soldat musste vor seinem Tod sein eigenes Grab schaufeln. Dies geschah am 24. April 1945, nur wenige Stunden vor dem Einmarsch der Franzosen. Der junge unbekannte Soldat wurde seiner Identität beraubt, indem alle seine Papiere, Privatsachen und seine Erkennungsmarke vernichtet worden waren. Nachdem die SS-Gruppe, sie war von der SS-Unterführerschule Radolfzell,  vor den näherkommenden französischen Truppen geflohen war, konnte der getötete Soldat ausgegraben und auf dem Friedhof durch den Ortspfarrer bestattet werden. 
 

Foto E. Wiedeking 2010

Mahlspüren im Hegau
Klara und Walter Creuzburg wurden durch Kopfschuss getötet, während die Franzosen in nur 800 Meter Entfernung am Hof der Creuzburgs vorbeifuhren. Als Täter kommen Männer der SS-Kampfgruppe Groß in Frage. Es war der 21.  April 1945. Auf dem Grabstein ist auch der Name von Elsa Creuzburg zu lesen, die am 17. April 1943 bei einem Bombenangriff auf Mannheim ums Leben kam.

Foto Heiko Lichtenfels 2012

Markdorf / Spielberg-Karlsbad
Daniel Lichtenfels wurde als Geisel am 2. Mai 1945 auf Befehl eines französischen Offiziers in Markdorf erschossen. Daniel war auf dem Friedhof in Markdorf zusammen mit seinen getöteten Leidensgenossen bestattet. Nach der Exhumierung fand er auf dem Heimatfriedhof in Spielberg seine letzte Ruhestätte.

Foto E. Wiedeking 2010

Wahlwies bei Radolfzell
Am 21. April 1945 wurden Hermann Schatz, Johann Renner, Josef H. Schatz und Josef Schwarz, alle vier waren Bürger aus Wahlwies, von einem Stoßtrupp, unter dem Kommando von Kurt Groß aus der SS-Unterführerschule Radolfzell, erschossen.  Kurt Groß war nach dem Krieg von den Amerikanern wegen Lynchjustiz als Kriegsverbrecher verurteilt worden.

Foto E. Wiedeking 2010

Stetten im Hegau
Gemeinschaftsgrab von elf deutschen Soldaten. Am 23. April 1945 sind sie als Geiseln der Franzosen beim Kampf am Hegaublick gegen Waffen-SS gefallen. Es fielen dabei auch sechs französische Soldaten.

Foto E. Wiedeking 2009

Überlingen am Bodensee
Auf diesem Grabmal steht der Name des polnischen Zwangsarbeiters Stanislaw Halejcio, der nur wenige Meter von den französischen Truppen entfernt von einem SS-Mann am 25.4.1945 in Sipplingen-Süßenmühle niedergeschossen worden ist. Er starb am 26. April. Auch der Name Franz Haindl ist auf diesem Grabmal zu finden. Dieser junge Soldat aus Baumham in Bayern starb nach einem langen Rückzug aus Holland am 23. April 1945 an Erschöpfung in einem Lastwagen in Überlingen.

Foto Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge Hessen 2010

Sipplingen / Frankfurt-Oberrad
In Sipplingen am Bodensee wurde im Oktober 1945 der ehemalige holländische Zwangsarbeiter von französischen Soldaten zu Tode geprügelt. Johannes van Gerdingen starb am 3.10.1945. Johannes war erst in Sipplingen auf dem Friedhof bestattet, wurde 1955 exhumiert und fand seine letzte Ruhestätte auf dem niederländischen Ehrenfriedhof in Frankfurt-Oberrad.

Foto E. Wiedeking 2012

Au, Bregenzerwald
Das Grab der am 15. Mai 1945 von den Franzosen exekutierten deutschen Soldaten Otto Reinwald, Hubert Schertler, Karl-Heinz Schüler, Gerhard Ufer und eines erschossenen unbekannten deutschen Soldaten.

Foto E. Wiedeking 2012

Langenegg, Bregenzerwald
Die Grabstätte von Innozenz Bader auf dem Friedhof in Langenegg im Bregenzerwald. Die Bürger Innozenz Bader, Otto Bechter, Josef Nußbaumer, Martin Gmeiner, Adolf Schwärzler und Robert Bader wurden am 1. Mai 1945 von Angehörigen einer durchziehenden SS-Gruppe regelrecht hingerichtet. An diese ermordeten Männer wird auf einer Tafel der Gedenkstätte von Langenegg erinnert.  Ihre Gräber sind alle auf dem Friedhof von Langenegg erhalten.

Foto E. Wiedeking 2011

St. Trudpert in Münstertal
Grab von Pfarrer Willibald Strohmeyer, mit Gedenktafel. Pfarrer Strohmeyer wurde am 23. April 1945 von SS-Männern grausam ermordet. Unter „Endphaseverbrechen“ wird auf dieser Webseite ausführlicher darüber geschrieben.

Foto E. Wiedeking 2010

Hödingen am Bodensee
In der Nacht vom 12. auf den 13. Juli 1945 wurden auf einem abseits gelegenen Bauernhof die Bauersfamilie Hermann Schmid, Berta Schmid und Josef Schmid ermordet. Die Täter konnten nie ermittelt werden.

Foto E. Wiedeking 2010

Stockach
Am 23. April 1945 wurden bei einem Massaker durch die Waffen-SS aus der Radolfzeller Unterführerschule und einigen Wehrmachtsangehörigen 21 Menschen ermordet. Es waren: Babetto, Bagur Pierre, Biesso Amadeo V., Davo Isidore, Dispersio Antony, Fil Wladislaus, Forzani Enrico, Galea Marcel, Ghoze Georges, Golobaew Michael, Popoff Trophin, Quarquillat L.R., Rouve Francois, Scotto André, Stellin Angelo, 1 unbekannter Italiener, 5 unbekannte russische Soldaten. Bei der gleichen Aktion wurde Enderle Friedrich bei einem Schusswechsel getötet. Dieses Massaker wurde von General Hans Schmidt, AOK 24, kommandiert.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Aktuelles Thema

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Vor dem Vergessen bewahren

Foto ca. 1937 

Josef Märte

aus Sipplingen am Bodensee. 

Josef wurde am

18. 09. 1919 in Sipplingen geboren und wird seit dem

03. 08. 1044 in 

Stupia - Pacanow /Polen vermisst. 
Laut Meldung war Josef am 3. August 1944 bei der

2. Kompanie leichte Feldwerftabteilung (motorisiert) I/40 
An Josef wird noch heute auf dem Grabstein seiner Eltern und Schwester auf dem Friedhof in Sipplingen erinnert. 

Foto 2017 

Auf Spurensuche

 

Jüdischer Friedhof in Bad Buchau. Foto August 2016

Besuchen Sie bitte auch die Seite

http://www.judeninbuchau.de/ 

Der Durnbach War Cemetery und das Durnbach Cremation Memorial ist eine Kriegsgräberstätte der Commonworlth War Graves Commission, die in Gmund am Tegernsee im Ortsteil Dürnbach liegt. Foto Juli 2016

Diese beiden Fotos zeigen Wolfgang, Jürgen und Elmar bei der Spurensuche im Bereich der ehemaligen Nachtjagdstellung in Eppingen. Fotos März 2016

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